Mitgliedschaft beim Orden des Phönix – jetzt beitreten!

Wahrscheinlich haben sich die meisten Harry Potter Fans – und ich zähle mich selbst dazu – während des Lesens oft gewünscht, Mitglied beim Orden des Phönix zu werden. Gemeinsam an einem geheimen Plan arbeiten, wie man Voldemort stürzen kann. Die magische Gemeinschaft davon überzeugen, dass er wieder da ist und dass er bekämpft werden muss.

Groß ist die Frustration gewesen – besonders beim ersten Lesen, aber doch auch immer wieder aufs Neue – wenn die meisten Dumbledore als alten Narren hinstellen und Harry als Lügner – und später sogar als möglichen Mörder Dumbledores.

Mit Wut im Bauch ließt man, wie Harry von Umbridge bestraft wird und wie die Schüler im siebten Jahr von den Carrows gefoltert und misshandelt werden. Dass Sirius als gesuchter Mörder sterben muss, ohne dass er je erleben konnte, wie sein Name reingewaschen wird, ist so traurig und schlimm, dass man es kaum ertragen kann. Empört und erbost ließt man im Tagespropheten davon, wie die ganzen Todesser aus Askaban fliehen, während Leute wie Lucius Malfoy mit dem Minister befreundet sind.

Solche Sachen machen einen verrückt, „wie können alle nur so blind sein und sich gegen die falschen wenden?“, denkt man sich immer wieder. Da möchte man oft sofort nach Hogwarts fahren und der DA beitreten oder eben direkt dem Orden! Nun, jetzt haben wir tatsächlich die Chance, dem Orden beizutreten! Denn auch in der heutigen Zeit erleben wir eine ähnliche Geschichte – direkt hier nebenan, in Großbritannien, um genau zu sein. Nur, dass in diesem Falle der Gesuchte nicht Harry Potter oder Sirius Black ist, sondern Julian Assange.

Wikileaks, Potterwatch und der Tagesprophet

Seine Organisation Wikileaks ist wie Potterwatch. Auch dort werden Wahrheiten recherchiert und publiziert, über die die kommerziellen Medien, die oft direkt von den Machthabenden beeinflusst werden, den Mantel des Schweigens breiten, oder teilweise sogar zensiert werden. Doch da der Tagesprophet viel mehr Leser hat, sind seine Ansichten auch viel verbreiteter. Genau wie mit der Bild-Zeitung. So viel mehr Menschen lesen die Bild-Zeitung und glauben an die verdrehten Tatsachen, die dort veröffentlicht und als Wahrheiten dargestellt werden.

Die Plattform Wikileaks hingegen publiziert Tatsachen, nur ließt die leider fast niemand. Da das Ministerium und andere wichtige Leute die Ansichten des Tagespropheten als Wahrheiten verkünden, glauben ihnen viel mehr Menschen. Auch hier ist etwas vergleichbares geschehen. Julian Assange wurde in der Öffentlichkeit als kriminell dargestellt, wurde sogar angeklagt, ohne dass es je Beweise für irgendeine Straftat gab. Die Verleumdungen waren so präsent und sein Rufmord so brutal, dass sie alles andere, was er in seinem Leben schon geleistet hat, überschattet haben. Er ist schnell zu einem Unerwünschten geworden, für den sich die meisten niemals einsetzen würden. Im besten Falle ist er den meisten Menschen egal, vielen ist er regelrecht unsympathisch.

Artikel, die in einem Magazin wie dem Klitterer erscheinen – und dann auch noch vom Ministerium Gesuchte und Angeklagte wie Harry Potter oder eben Julian Assange in ein positives Licht rücken, werden als Unwahrheiten abgetan. Wenn dann zusätzlich noch Beweise darüber offengelegt werden, dass die Regierung Verbrechen begangen hat, werden sie umgehend als Verschwörungstheorie abgetan oder als Witz, bis es keinen mehr interessiert. Und wenn die Menschen irgendwann beginnen, an den haarsträubenden Geschichten und Darstellungen des Tagespropheten zu zweifeln, werden Leute wie Xenophilius Lovegood einfach erpresst und so muss er schließlich ebenfalls der Linie des Ministeriums folgen. Unerwünschter Nr.1 prangt dann auch auf seinem Titelblatt.

Lieber sterben als deine Freunde zu verraten, wie wir es auch für dich getan hätten..

So ist es auch Julian Assange und Chelsea Manning ergangen. Chelsea Manning hat Beweise über Kriegsverbrechen der USA gesammelt und an Julian Assange weitergeleitet. Dieser hat sie bei Wikileaks veröffentlicht und damit die Welt auf diese Verbrechen aufmerksam gemacht. Chelsea Manning hat dafür bereits einige Jahre im Gefängnis in den USA abgesessen. Nachdem sie von Obama begnadigt wurde, wurde sie erneut für ein Jahr in Beugehaft genommen, weil sie sich geweigert hat, gegen Julian Assange auszusagen. Wie Sirius im dritten Band so treffend zu Wurmschwanz sagt: „Lieber sterben als deine Freunde zu verraten, wie wir es auch für dich getan hätten“. Chelsea Manning und Julian Assange haben ihr Leben auf’s Spiel gesetzt, um die Wahrheit der ganzen Welt zugänglich zu machen, damit wir nicht belogen und betrogen werden, wie es leider so oft der Fall ist.

Julian Assange sitzt derzeit im Londoner Hochsicherheitsgefängnis, während die Täter ihn anklagen, statt selbst dem Gericht für die begangenen Straftaten Rede und Antwort zu stehen. Sie fordern seine Auslieferung an die USA, wo ihn 175 Jahre Haft erwarten. Wofür? Für das Aufdecken von Verbrechen. Das bedeutet, dass hier nicht nur das Leben eines tapferen und ehrenwerten Mannes auf dem Spiel steht, sondern die Pressefreiheit der westlichen Welt. Wenn Journalisten_innen und Publizisten_innen ab jetzt Angst haben müssen, verhaftet zu werden, wenn sie Verbrechen aufdecken, kann nicht mehr frei berichtet werden. Wenn es uns so sehr aufregt, dass der Orden des Phönix angeklagt wird, während die Machthabenden einfach mit ihren Lügen und Gräueltaten durchkommen, könnte es uns auch wichtig sein, dass in unserem echten Leben etwas vergleichbares stattfindet.

Wenn die Schlacht einmal verloren ist, wird es umso schwerer sein, unsere Rechte zurückzuerkämpfen. Auch wenn zurzeit die Coronakrise sicherlich sehr viel Aufmerksamkeit absorbiert, ist es ratsam, dass wir nicht alles andere ignorieren oder aufschieben. Wenn die Coronakrise vorbei ist, ist Julian Assange möglicherweise bereits im Gefängnis dem Coronavirus zum Opfer gefallen – und das wäre tatsächlich eine Tragödie.

Verteidigung des Unerwünschten Nummer 1

Man kann mit ein paar einfachen Aktionen den Kampf unterstützen, selbst wenn man nicht direkt dem Orden beitreten will. Es ist ok die Dinge wie Horace Slughorn zu sehen. Er findet die Mitglieder des Ordens ehrenswert – will sich aber selbst nicht in Gefahr begeben. Das muss jeder für sich entscheiden – auch wenn Unterstützer von Julian Assange bislang nicht in Gefahr schweben. Und auch Slughorn trägt letztendlich zum Sieg der Schlacht bei. Gerade jetzt gibt es sehr viele Online-Aktionen, die die Verteidigung des Unerwünschten Nummer 1. – und damit auch der Pressefreiheit – stärken. Man kann an Online-Mahnwachen teilnehmen, Briefe schreiben, Posts liken, positive Kommentare zu dem Thema twittern etc. Eine der Seiten, auf denen es Infos dazu gibt, ist candles4assange.de . Dort ist auch eine E-Mail-Adresse hinterlegt, falls man Ideen einreichen oder erfahren will, was man sonst noch so machen kann.

Wegsehen ist immer eine Option, aber es kann auch Spaß machen, im Orden zu sein, sich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen, gemeinsame Aktionen zu planen – und darüber oftmals auch noch Freunde zu finden! Ohne die DA wären Luna und Neville vielleicht nie gute Freunde von Harry, Ron und Hermine geworden und das wäre doch schade, oder? Also, falls ihr dem Orden beitreten oder ihn auch nur ein wenig unterstützen wollt, fühlt euch eingeladen  . Ich glaube fest an uns und daran, dass wir diese Schlacht gewinnen können – denn die Wahrheit ist immer der Lüge vorzuziehen, wie Dumbledore so schön gesagt hat.

von: Felizia Angelidi


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