Wer für Pressefreiheit ist, der…

…wünscht sich sicher auch, dass sie bestehen bleibt. Wer ist schon gerne dazu bereit, sein Recht zur freien Meinungsbildung und Meinungsäußerung zu opfern? Wenige, würde ich behaupten. Wer für Pressefreiheit ist, könnte auch die Ansicht vertreten, dass die Wahrheit in den meisten – wenn vielleicht nicht sogar in allen Fällen, der Lüge vorzuziehen ist. Wir leben im Zeitalter der Fakenews und können uns oft nicht sicher sein, welche Information der Wahrheit entspricht und welche eine zusammengeschusterte Geschichte ist, aus welchen Gründen auch immer.

Wenn beispielsweise die USA verheimlicht, dass es unschuldige Opfer im Irak Krieg gab, welche aus purer Willkür ums Leben gekommen sind, darunter Kinder und Frauen, dann ist dies eine Straftat, welche nach meinem Auffassen nach – und dem vieler anderer, Konsequenzen haben sollte. Und tatsächlich hatte sie auch Konsequenzen – aber für die Menschen, die sie aufgedeckt haben.

Chelsea Manning, der es zu verdanken ist, dass diese Information überhaupt erst erlangt wurde – und Julian Assange, der sie publik gemacht hat. Diese zwei unbeschreiblich mutige Menschen sitzen jetzt im Gefängnis. Da fragt man sich doch immer und immer wieder: „Wie kann das sein?“ . Über Chelsea Menning wird in Europa herzlich wenig berichtet, als würde uns ihr Schicksal nicht angehen, nur weil sie in den USA in einem Gefängnis sitzt, nicht in Europa oder unmittelbarer Nähe, wie Julian Assange.

Aber auch sein Schicksal wird nur spärlich erwähnt, oftmals auch noch mit den unhaltbaren und bereits ganz klar widerlegten Vorwürfen der sexuellen Belästigung in Verbindung, welche allen ein schales Gefühl hinterlassen, wann immer sein Name fällt. Und Julian Assange erschient für viele auch nicht als eine so liebenswerte Figur, der man Unterstützung zollen sollte.

Doch obwohl es klare Beweise für Kriegsverbrechen der USA während des Irak Krieges gibt, werden die Menschen, die diese Verbrechen aufgedeckt haben, angeklagt und mit äußerster Härte bestraft. Ist dies fair und richtig? Können wir dies mit unserem miralischen Kompass vereinbaren?

Warum der Fall Assange so bedeueend ist

Und natürlich kann man immer sagen, es gibt so viel Ungerechtigkeit und Leiden auf der Welt, warum sollte man sich speziell für Julian Assange einsetzten? Viele finden ihn nicht einmal sympathisch! Es gibt so viel Elend in der Welt.. So viele Petitionen.. So viele Journalisten, die gefangen genommen oder zensiert werden. Was ist das besondere am Fall Assange?

Besonders ist, das hier – wie es zweifellos schon viele andere angemerkt haben – der Präzedenzfall, der hier geschaffen werden soll. Sollte er jetzt ausgeliefert und in den USA weggesperrt werden, so kann es allen anderen Journalisten in Europa, UK und den USA ähnlich ergehen. Wenn in einem hohen Gericht in London Gesetze nicht eingehalten werden, ohne dass etwas dagegen unternommen wird, kann dies immer wieder passieren. Wenn Transparenz wichtig ist und mögliche Verbrechen nicht verdeckt bleiben sollen, sieht es leider so aus, als wären wir auf Menschen angewiesen, die uns diese Informationen liefern.

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